Dieses Schuljahr ging das älteste Schülerkabarett Deutschlands in die 61. Runde, als es hieß „Willkommen im Schulrestaurant Speise-Camer“. Auch dieses Mal nahm das Camerett „Lehrer, Söder, Abitur“ aufs Korn und servierte ein satirisches Mehrgangmenü aus Spielszenen, Songs und Filmeinspielern.
So wurde etwa eine Abiturprüfung einschließlich der Einlasskontrolle zu Beginn nur geringfügig überzeichnet nachgestellt. Dass der Deutschunterricht doch nicht ganz wirkungslos an den Schülerinnen und Schülern vorbeizieht, zeigte eine Nummer in Anlehnung an Goethes „Faust“, die im Verlauf des Abends immer wieder aufgegriffen wurde. Der Suchende fand natürlich beim Camerett schließlich seine Erfüllung, nachdem er vorher vieles – wie etwa die Schulmensa und ihre Schnitzelsemmeln – vergeblich ausprobiert hatte. Auch politische und gesellschaftliche Themen fanden ihren Platz auf der Speisekarte. So wurde das zunehmend raue gesellschaftliche Klima im Rahmen einer Musikstunde mit einem „Neuen“ pointiert persifliert. Eine Portion Wehmut bzw. Nostalgie servierte der Chorfahrtsong zur Melodie von „Ich war noch niemals in New York“, gewidmet jenen Schülerinnen und Schülern, die noch nie in den Genuss von Violau und Pappenheim gekommen sind. Nicht weniger liebevoll fiel die Ode an das Kellertheater aus – Spinnennetze und Silberfischchen inklusive.
Viele weitere Gänge bereicherten den Abend kulinarisch wie beispielsweise die „CamerSchau“, der „Lehrerchat“ oder die Ode „An die Geliebte“ alias die digitale Tafel, die inständig angefleht wurde, sich doch endlich zu verbinden. All diese Nummern wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst entwickelt, geschrieben, überarbeitet und auf die Bühne gebracht. Gerade darin liegt seit jeher die besondere Qualität des Cameretts: Es lebt von jungen Menschen, die genau beobachten, kritisch hinterfragen und den Mut haben, ihre Sicht auf Schule, Gesellschaft und Politik mit Witz, Kreativität und großer Spielfreude öffentlich zu präsentieren. Dass dabei aus vielen Ideen, Textentwürfen, Proben, Diskussionen und spontanen Geistesblitzen ein Abend entsteht, der gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt, ist alles andere als selbstverständlich. Unser besonderer Dank gilt daher allen mitwirkenden Schülerinnen und Schülern auf und hinter der Bühne, die mit Engagement, Ausdauer und einer gehörigen Portion Selbstironie dieses Camerett möglich gemacht haben.
Wir hoffen, dass unser Publikum an den beiden Abenden nicht nur gut unterhalten wurde, sondern auch einige Denkanstöße mit nach Hause nehmen konnte. In diesem Sinne sagen wir: Auf Wiedersehen in Runde 62!