Leon Eckert bringt Erde aus seinem Wahlkreis zu Hans Haackes wachsendem Kunstwerk

Bis auf Brusthöhe wuchert das Unkraut schon im Innenhof des Reichstagsgebäudes in Berlin. Dass das genauso gehört, fanden die 28 Schülerinnen und Schüler der 11D während ihrer Verfassungsviertelstunde heraus. Dieses Format einer regelmäßigen Auseinandersetzung mit den Grundlagen unserer Demokratie hat der bayerische Landtag 2024 an allen bayerischen Schulen etabliert. Je nach Fach können ganz unterschiedliche Zugänge zu Verfassungsthemen gefunden werden. Judith Treimer-Schebler überraschte die Klasse mit dem Kunstwerk „Der Bevölkerung“ des Künstlers Hans Haacke, das der damalige Bundestagspräsident Thierse 2000 im Lichthof des Reichtagsgebäudes einweihte. Mittlerweile 546 Bundestagsabgeordete haben Erde aus ihren Wahlkreisen in dem rechteckigen Feld rund um den Schriftzug „Der Bevölkerung“ aufgeschüttet. Die Leuchtbuchstaben sind denen des Schriftzugs über dem Hauptportal des Reichtstagsgebäudes nachempfunden, nur dass dort „Dem deutschen Volke“ steht. Die kleine Abweichung führt zum Kern der Arbeit von Hans Haacke, wie die Schüler während der Viertelstunde herausfanden. Im Namen des Volkes und der Erde, mit dem es oft unheilvoll in Verbindung gebracht wird, geschehen auch heute wieder Dinge, die das Gedeihen der Bevölkerung verhindern. So stellt sich die Frage, worauf unsere Gesellschaft sich gründet. Nicht auf dem Boden und seiner Abgrenzung, wie das Kunstwerk nahelegt, sondern in dem freien Wachsen, das er ermöglicht. Über die Zeit nährt sich das Biotop selbst und hat längst Teile des Schriftzugs überwuchert. Was wächst, lässt sich nicht einhegen und zähmen. Wer die Kraft des Wachstums erhalten will, darf es nicht verhindern. Ein gelungenes Bild für die Vielfalt einer lebendigen Demokratie, zu der die Schülerinnen und Schüler unbedingt beitragen wollten. Als sie auf der Webseite des Projekts feststellten, dass der Wahlkreis Freising bislang noch gar keine Erde beigesteuert hat, nahmen sie sofort Kontakt zu ihrem Bundestagsabgeordneten Leon Eckert auf. Der erklärte sich freudig bereit, zwei Säcke Erde mit nach Berlin zu nehmen. Von Unterholzhäuseln bis Eching sammelten die Jugendlichen Erde und damit auch Samen ein. Auch unsere Schulleiterin Katharina Willimski griff beherzt zur Schaufel und schippte Erde vom Schulgelände in den Sack. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Leon Eckert mit zwei großen Säcken Erde in den ICE nach Berlin gelassen wird. Die Schüler sind schon gespannt, wo ihre Erde ausgebracht wird. Während der Verfassungsviertelstunden der kommenden Jahre werden sie regelmäßig über die Webcam des Projekts verfolgen, welchem Wildwuchs sie im Bundestag den Boden bereitet haben.

Gerhard Schebler