Mit diesem Zitat von Martin Luther King eröffnete Emily Hadersdorfer den vom Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ veranstalteten Projekttag zur Situation von Frauen und Mädchen in Afghanistan am 07. Juli 2025. Und welches Unrecht es doch ist, welches an der weiblichen Bevölkerung – immerhin mehr als 20 Millionen Mädchen und Frauen – in dem Land begangen wird!

 

Seit dem Abzug der US-Streitkräfte und der sich anschließenden Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 wurden die Rechte von Mädchen und Frauen sukzessive immer stärker beschnitten. Mädchen dürfen nur noch bis zum Alter von 13 Jahren eine Schule besuchen, junge Frauen können nicht entscheiden, wen sie heiraten, Frauen dürfen nicht arbeiten, sie dürfen keine Parks oder Sportstätten besuchen, sie dürfen nicht laut sprechen, singen, tanzen oder gar lachen. Sie dürfen sich ohne männliche Begleitung nicht in der Öffentlichkeit bewegen. Sie dürfen kein öffentliches Amt belegen und sind von allen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Das ist ein schreiendes Unrecht an der weiblichen Bevölkerung Afghanistans und eine eklatante Verletzung von Menschenrechten – und dieses Unrecht geht uns alle an!

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe schauten wir auf Afghanistan. Der Dokumentarfilm „In her Hands“ zeigte exemplarisch am Beispiel der Bürgermeisterin einer kleinen Stadt nördlich von Kabul auf, wie sich der politische Prozess der Machtübernahme durch die Taliban auf eine engagierte Frau persönlich auswirkte. Zarifa Ghafari kämpfte als eine der ganz wenigen weiblichen Mandatsträgerinnen für eine aktive Rolle der Frauen in der afghanischen Gesellschaft, war aber gezwungen ihr Land zu verlassen, da ihr Leben unter den Taliban bedroht war.

Diese verheerende Menschenrechtslage wurde anschließend von Angela Parvanta geschichtlich eingeordnet. Sie ist Lehrbeauftragte für Farsi an der LMU München. In Kabul geboren hat sie nach ihren eigenen Worten eine wundervolle Kindheit während der „Goldenen Jahre“ in Afghanistan verlebt. Die 60er Jahre standen für Modernität und Stabilität. Mädchen gingen zur Schule, Frauen nahmen am öffentlichen Leben teil und trugen westliche Kleidung, der Schleierzwang war aufgehoben. Während beider Herrschaftsregimes der Taliban von 1994 bis 2001 und dann wieder ab 2021 wurden jedoch alle Rechte einkassiert. Daran änderte auch die Besatzung des Landes durch die Sowjets in den 80er Jahren und durch die USA nach 9/11 nichts – nach Abzug aller fremder Militärmächte setzten die Taliban eine radikale Interpretation des Islam als Staatsform durch, die Frauen quasi unter Hausarrest stellt. Als Steigerung zum Burkagebot oktroyiert ein neues Tugendgesetz Frauen derzeit auf, dass sie unter dem Ganzkörperschleier auch ein Auge verkleben müssen und durch das Sichtnetz nur noch mit einem Auge auf die Welt schauen dürfen. Gesichtslosigkeit, Unsichtbarkeit und erzwungene Blindheit – dies beschreibt das derzeitige Leben von Frauen und Mädchen in Afghanistan.

Mit zwei weiteren Experten weiteten wir den Blick: Selma Steinmetzer, ehemalige Camerloher-Schülerin und Studierende der Islamwissenschaften, teilte ihre Einschätzung zum Bombardement Irans durch Israel im Juni 2025. Mohammad Alkassas, der 2015 aus Syrien geflüchtet ist und seit 2017 in Freising lebt, erzählte von seinen Erlebnissen, als er nach dem Sturz des Assad-Regimes zu Beginn dieses Jahres zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder seine Heimat besuchte, in der zarte demokratische Bestrebungen erkennbar sind.

Drei Länder im Nahen und Mittleren Osten, drei Länder, deren Geschichte in den letzten Jahrzehnten gezeichnet war durch Kriege und Revolten, drei muslimische Länder, in denen Religion ganz unterschiedlich gelebt wird. Und drei Länder, in denen Menschen leiden aufgrund von Kriegen, aufgrund Bedrohungen von innen und außen, aufgrund militärischer, politischer oder radikal-religiöser Machtbestrebungen.

Der Blick auf diese drei Länder im Rahmen dieses Projekttages war möglich, da viele am Camerloher wirkende Gruppierungen zusammenarbeiteten: Der AK „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gestaltete das Programm und lud die Experten ein. Die Finanzierung der Honorare für die Referentinnen übernahm der Förderverein „Die Camerloher e.V.“. Aufbau und Buffet wurden unterstützt durch die SMV und den AK „Bühne und Technik“. Außerdem gehen alle Spenden, die beim diesjährigen von der SMV veranstalteten Spendenlauf zusammenkommen, an den Afghanischen Frauenverein. Ganz herzlichen Dank dafür!

Es ist ein Berührtsein, Gefühle von Dankbarkeit und vielleicht auch Demut, die die Teilnehmenden als Reaktion auf den Projekttag zu Afghanistan äußerten. Im Dokumentarfilm wurde die Bürgermeisterin Zarifa Ghafari beim Besuch einer Mädchenschule gefilmt. Zu den Mädchen sagte sie: „Bildung ist der Schlüssel zur Entwicklung eines Landes. Es ist der Kampf zwischen Wissen und Nichtwissen, der Kampf zwischen Dunkelheit und Licht.“ Wie froh können wir sein, im Licht zu sein – im wärmenden Licht der Demokratie, die uns allen kritische Analyse, Bildung und Aufklärung ermöglicht. Gehen wir sorgsam damit um – und lassen uns von niemandem dieses Licht ausknipsen!

Silke Hatzinger