Die 9. Klassen des Camerloher-Gymnasiums besuchten vergangenen Mittwoch die Ohel Jakob-Synagoge und das jüdische Museum München.
Der alljährliche Synagogenbesuch der 9. Klassen ist am Camerloher-Gymnasium seit langem ein fester Bestandteil des Religions-/Ethikunterrichts – und doch war in diesem Jahr nicht alles so selbstverständlich wie sonst. Nicht wenige Schülerinnen und Schüler fuhren am vergangenen Mittwoch, in Begleitung ihrer Religions- und Ethiklehrkräfte sowie von Frau Willimski und Frau Bliese, mit einem etwas mulmigen Gefühl nach München – hatte es doch angesichts der politischen Ereignisse, nicht zuletzt des Anschlags auf ein Schwabinger jüdisches Restaurant eine Woche zuvor, bei Schülern wie Eltern weitreichende Befürchtungen ob der Sicherheitslage gegeben. Umso nachhaltigeren Eindruck hinterließen bei vielen dann die Sicherheitsvorkehrungen der IKG München am Einlass, verbunden mit der Erkenntnis, dass diese für unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu ihrem Alltag gehören, wenn sie jüdische Schulen, ihr Gemeindezentrum oder die Synagoge besuchen wollen.
Nach einer persönlichen Begrüßung durch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Frau Dr. Knobloch, die sich dem Camerloher-Gymnasium sehr verbunden fühlt – eine besondere Ehre für die Neuntklässler –, ging es durch den Gang der Erinnerung in die Synagoge, wo Frau Presser, Leiterin des Kulturzentrums der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, den Schülerinnen und Schülern informative Einblicke in Grundzüge jüdischen Lebens sowie die Architektur und Gestaltung der Ohel Jakob-Synagoge eröffnete. Dabei legte sie besonderen Wert darauf, den Neunklässlern zu vermitteln, wie vielfältig und bunt jüdisches Leben sei und dass sich gelebte Religion nicht – weder jüdisch noch christlich noch muslimisch – auf bestimmte Stereotype oder religiöse formale Kriterien reduzieren lasse, sondern eine „Herzenssache“ sei.
Vor allem habe Gott den Menschen Verstand gegeben, um die Dinge, die man tue, selbst zu beurteilen und zu verantworten. Dass sich solche Verantwortung als gelebte ethische Haltung nicht nur in großen Taten zeige, sondern bereits in ganz alltäglichen Handlungen, führte Frau Presser den Schülerinnen und Schülern eindrücklich vor Augen, als sie ihnen am Ende des Vortags ausdrücklich für ihr Kommen dankte und dies als Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde würdigte: Gerade solche Solidaritätsbekundungen, so führte sie auf unsere Frage nach ihrem derzeitigen Lebensgefühl aus, seien es, die den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in München Kraft und Hoffnung gäben.
Ein Besuch des Jüdischen Museums, das in verschiedenen Mitmachstationen Ausschnitte Münchner jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart zeigt, aber auch „klassische“ religiöse Gegenstände wie z.B. eine kleine Thorarolle, einen Pessach-Teller oder eine Purim-Ratsche zum Anfassen, rundete den Besuch der Jüdischen Gemeinde in München ab.
