Das Camerloher-Gymnasium spielte auch in diesem Jahr bei den Filmtagen bayerischer Schulen, dem ältesten Schülerfilmfestival, eine tragende Rolle. In den Sommerferien hatten Greta Reimann und Veronica Hartmann rund 100 Filme von Schulen aus ganz Bayern gesichtet und in der langen Vorjurysitzung kritisch diskutiert, um gemeinsam mit Filmschaffenden und Filmlehrkräften eine gute Auswahl für das Festivalprogramm zu finden.
Im Hauptprogramm lief der Film „Tanzschritte“ von Malin Fischer, Maja Peters und Veronica Hartmann, der im Rahmen des P-Seminars „Dokumentarfilm“ gedreht wurde. Maja, die bereits eine Ausbildung begonnen hat, bekam frei, und so konnten alle drei für zweieinhalb Tage zum Festival nach Straubing fahren, sich mit anderen Filmteams austauschen, in Workshops dazulernen und vor allem den eigenen Film auf der großen Kinoleinwand erleben. Im anschließenden Filmgespräch stellten sich die drei den kritischen Fragen der anderen Filmgruppen. Dabei ging es vor allem auch darum, was den Dokumentarfilm als besondere Form dokumentarischen Erzählens ausmacht. Für den 100-Sekunden-Wettbewerb ließen sie sich für die Zusammenarbeit mit einer sehr jungen Trickfilmgruppe des Josef-Hofmiller-Gymnasiums gewinnen.
Die Aufgabe im P-Seminar war, einen kurzen Dokumentarfilm über eine Person in ihrem beruf zu machen – mit allem, was dazugehört, vom Finden geeigneter Protagonistinnen/Protagonisten über die Beschäftigung mit filmischen Mitteln. Malin, Maja und Veronica wollten eine Person befragen, die sonst kaum über ihre Arbeit spricht, und entschieden sich für eine Hundefriseurin. In dem spannenden Film kommen Klischees und Vorurteile genauso zur Sprache wie fragwürdige Vorstellungen von Hundebesitzer*innen, strukturelle Probleme im Berufsfeld der Protagonistin sowie ihre besondere Beziehung zu Tieren. Sie erzählt aber auch von ihrem Traum, Tänzerin oder Turnlehrerin zu werden, und davon, wie es ist, wenn das Leben einem einen Strich durch die Rechnung macht und sich neue Wege auftun.
Die Erzählung der Protagonistin wird von präzise komponierten Bildern begleitet, die einen kleinen Hund beobachten, wie er im Salon sanft durch das Pflegeprogramm geschoben wird. Die räumliche Situation, die geordneten Werkzeuge, die Arbeitsabläufe und die lustigen bis anrührenden Reaktionen des Tieres werden in überlegten Eistellungsgrößen genau wiedergegeben. Im Verlauf des Films treten die Aufnahmen zunehmend in Beziehung zum Gesagten. Neben der geschickten Montage von Text und Bild merkt man, dass hier junge Menschen gefragt haben, die wirklich zuhören, mit echtem Interesse an einer Lebensgeschichte und ihren verschlungenen Wegen. Damit wurde das Team dem Anspruch von Maya Reichert, Dokumentarfilmerin und Leiterin von DOC.education, die das P-Seminar als externe Partnerin begleitet hatte, in besonderer Weise gerecht, dass ein Dokumentarfilm „mit filmischen Bildern aus dem echten Leben erzählt“.
Greta ist im kommenden Jury-team bereits gesetzt. Bleibt zu hoffen, dass es dann wieder ein Beitrag des Camerloher-Gymnasiums ins Festival-Programm schafft.
Judith Reichardt