Für drei Tage, vom 8. -10. Oktober 2022, durfte der Französisch-Kurs der Q12 zu Gast in Frankreich sein. Bei strahlender Herbstsonne und spätsommerlichen Temperaturen fühlten wir uns aber eher wie Gott in Frankreich: Bei herrlichem Kaiserwetter zeigte sich Strasbourg von seiner schönsten Seite!

Zwei Länder werden mit der Rheinbrücke, die vom deutschen Kehl ins französische Strasbourg führt, miteinander verbunden: Stolz überquerten wir den Rhein auf ganz französische Art im TGV, und wir fühlten uns wie echte Franzosen. Doch den typischen, Klischee entsprechenden Franzosen mit blau-weiß gestreiftem T-Shirt, Schnauzbart, Baskenmütze und einem Baguette unter dem Arm haben wir leider in Strasbourg nicht angetroffen, ebenso wenig wie den „homme nu“, den wir auf Bitten zweier sympathischer Polizisten am Sonntagmorgen in den verwinkelten Gassen rund um den Münsterplatz suchen sollten. Wir waren uns aber alle bis zum Schluss des Gesprächs nicht sicher, ob diese Bitte ernst gemeint war oder nur eine „blage“ dieser netten flics, die uns ein wenig an Gendarme Cruchot alias Luis de Funès nebst Kollegen erinnerten.

Und so trafen wir weiterhin beim Besuch dieser Stadt immer wieder auf typisch Französisches, auf eher deutsch Wirkendes oder einfach auf Elsässisches. Besonders bewusst wurde uns dies beim Besuch des Musée Tomi Ungerer, eines Alsacien par excellence, der beide Herzen, ein Französisch und Deutsch schlagendes, in sich trug. Sichtlich beeindruckt, teils etwas verstört bzw. irritiert waren die Schülerinnen und Schüler von der dortigen temporären Ausstellung „Métamorphoses“: Tomi Ungerer schuf sie in unzähligen Variationen, indem er Menschen nach Lust und Laune mit Tieren, Pflanzen und Maschinen verschmolz oder letzteren umgekehrt menschliche Züge verlieh. Umso beruhigender war es dann im Museum auch auf Tiffany und die drei Räuber (Les trois brigands) mit ihren unverkennbaren Hüten zu stoßen, die uns aus dem Französischunterricht bereits vertraut waren.

Auch haben wir die enge Nachbarschaft dieser beiden Länder beim Abendessen im pittoresken Viertel „Petite France“, dem einstigen Gerberviertel, gespürt, wo sich am Ufer der Ill in einem mit roten Geranien geschmückten historischen Fachwerkhaus mit dickem schwarzen Gebälk edle französische Escargots ganz wunderbar kulinarisch zum klassisch-deutschen Schnitzel mit Spätzle und zum elsässischen Gewürztraminer auf rot-weiß karierten Tischdecken ergänzten.   

Und genau dieses elsässische Traditionsrestaurant wurde zu einem Ort für die gelebte Freundschaft zwischen den beiden Ländern innerhalb Europas:

Während wir bereits beim Abendessen über die Sprachenvielfalt unseres sehr aufmerksamen Garçons staunten – er switchte mühelos zwischen Französisch, Deutsch und Englisch innerhalb einer Bestellung, erzählte er später einem Schüler auf russisch, dass er als Ukrainer am Konservatorium in Sankt Petersburg Klavier studierte. Es folgte eine gemeinsame Musik-Session auf dem Restaurant eigenen Klavier: Musik und Sprachen verbinden seit jeher die Menschen.

Was Franzosen aktuell von der deutsch-französischen Freundschaft halten, wie es nach der Ära der Mercrons nun mit den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland weitergeht, und was uns zu echten Freunden im Herzen von Europa macht – diese Fragen stellten die Schülerinnen und Schülern Passanten in der Innenstadt. Die Antworten darauf und weitere spannende Momente unserer Studienfahrt verraten wir Ihnen beim Café de Paris anlässlich des 60. Jahrestages des Elysée-Vertrags am 26. Januar 2023 im Café Camerloher, wozu bereits jetzt eine herzliche Einladung erfolgt.

Merci beaucoup an alle Strasbourg-Fahrerinnen und Fahrern: Ihr wart eine ganz wunderbar kulturell, politisch und kunstgeschichtlich interessierte Reisegruppe.

Un grand merci chaleureux an Birke Rutenberg, die diese Fahrt mit mir zusammen begleitet hat.

Silvia Betz