Es war ein bewegender Projekttag, den die Oberstufenschüler am Camerloher am 07. Juli 2025 erlebten. Auf Initiative von Emily Hadersdorfer veranstaltete der Arbeitskreis Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage im vergangenen Schuljahr einen Vormittag, in welchem die Situation von Frauen und Mädchen in Afghanistan beleuchtet wurde.
Nach der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 wurden der weiblichen Bevölkerung sukzessive alle Rechte entzogen: Frauen dürfen nicht mehr arbeiten, ohne männliche Begleitung nicht das Haus verlassen, Mädchen dürfen nur noch bis zum Alter von zwölf Jahren zur Schule gehen.
In den westlichen Medien lesen wir darüber nicht viel – andere Schlagzeilen stehen im Mittelpunkt. Wir schauten hin, informierten uns über den Dokumentarfilm „In her hands“, sprachen mit Farsi-Dozentin Angela Parvanta (LMU) und recherchierten Möglichkeiten, Frauen und Mädchen in Afghanistan zu unterstützen. Dabei stießen wir auf den Afghanischen Frauenverein, der in München sehr aktiv Projekte für afghanische Mädchen und Frauen betreut - und hatten damit die Organisation gefunden, an die unsere Spende gehen sollte. Denn in Kooperation mit der SMV kam es am Ende des letzten Schuljahres zu einem Spendenlauf, bei dem viele Camerloher-Schüler Runden um das Schulgelände drehten und sich diese von den im Vorfeld gesuchten Spendern in bare Münze umwandeln ließen. Mit dem am Projekttag spontan in Körbchen gesammelten Spenden kam die stattliche Summe von 1.800€ heraus, die wir am Freitag, den 14.11.2025 den beiden Vertreterinnen des Afghanischen Frauenvereins Lida Zarif und Hadia Aslami übergeben konnten.
Lida Zarif floh mit ihren fünf Kindern während der ersten Herrschaft der Taliban im Jahre 1993 aus ihrer Heimat – zunächst nach Pakistan, über Usbekistan und Russland kam sie schließlich 2002 nach Deutschland. Hadia Aslami verließ mit ihrer Familie am 27. November 2021 Kabul, wo sie aufwuchs und ihre Mutter als Staatsanwältin arbeitete. Mit einem der letzten Flugzeuge gelang der damaligen Jura-Studentin die Ausreise, heute steht sie in ihrer Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte kurz vor der Zwischenprüfung.
Wir waren froh und stolz, den beiden Vertreterinnen des Afghanischen Frauenvereins ein bisschen Unterstützung für ihre Arbeit zukommen lassen zu können. Gleichzeitig waren wir erschüttert von ihren Erzählungen über Flucht und ihr Verlassen der Heimat. Und wir sind berührt von ihrem Einstehen für die Freundinnen, Cousinen, Tanten, für all die Frauen in Afghanistan, die immer mutig kämpften – und jetzt doch wieder durch den Zwang der Taliban aus dem öffentlichen Leben weichen mussten.
Silke Hatzinger (Für SoR-SmC)