Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien konnte das Leistungsfach Kunst der Q12 die besondere Gelegenheit wahrnehmen, das Studio von Stefan Diez in München zu besuchen.
Der gebürtige Freisinger ist einer der gefragtesten deutschen Industriedesigner der Gegenwart und leitet den Studiengang Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Deshalb war es eine besondere Ehre für die Schülerinnen des Camerloher, vor Ort Einblick in die Arbeit des Teams zu bekommen. Die Gruppe wurde sehr herzlich mit Butterbrezen und Holzofenfeuer empfangen und umgehend von der Studiokatze begleitet.
Mitarbeiter Max Rohregger stellte auf sehr anschauliche Weise vor, wie einige Klassiker, z.B. der Stuhl „Houdini" (in leuchtendem Orange zu sehen auf dem Gruppenbild) oder die Leuchte „Ayno" entwickelt wurden, gab aber auch Einblick in laufende Projekte. Die Schülerinnen hatten Gelegenheit über Fragen ins Gespräch zu kommen und konnten durch ganz konkrete Beispiele wie Skizzenbücher, Materialproben, Reihen von Prototypen, Anwendungsmöglichkeiten von Entwurfsprogrammen und 3D-Druckern einen Einblick in unterschiedliche Designprojekte bekommen. Besonders anschaulich wurde dabei, wie lange die Entwicklungsphase dauert, bis ein fertiges Produkt auf den Markt kommen kann und dass es im kreativen Prozess unabdingbar ist, erste Entwürfe immer wieder zu überarbeiten und auf Rückmeldungen aus dem Team oder durch den Auftraggeber zu reagieren oder neue Materialien und technische Lösungen zu finden. Das hängt auch mit dem hohen Arbeitsethos zusammen, dem sich das Studio Stefan Diez verschrieben hat. Eine zentrale Rolle bei allen Projekten kommt der Nachhaltigkeit zu. Es ist allen Mitarbeitern ein besonderes Anliegen, die Produkte so zu entwickeln, dass sie eine möglichst lange Nutzungsdauer besitzen, Einzelteile ausgetauscht und repariert werden können und es nach Möglichkeit vermieden wird, Verbundwerkstoffe einzusetzen, so dass die Materialien am Ende des Gebrauchs sauber voneinander getrennt und einem Recycling zugeführt werden können. Neben einem niedrigen Ressourcenverbrauch bei der Herstellung ist dem Designbüro auch ein möglichst platzsparender Transport wichtig. Die Umsetzung dieser hohen Ziele erhöht zwar den Entwicklungsaufwand, ermöglicht es aber im Sinne des „Circular Design" auch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und das Mindset für den Ressourcenverbrauch in der Zukunft positiv zu beeinflussen.
Geradezu aufgewühlt und sehr begeistert durch die wunderbare Vermittlung im Studio und die tiefen Einblicke in den Designprozess machte sich der Kurs schließlich auf zu einem weiteren Programmpunkt: Der Vorstellung von ausgewählten Designobjekten in der Pinakothek der Moderne. Die dort vertretene Neue Sammlung - The Design Museum zählt weltweit zu den ältesten und bedeutendsten Museen für angewandte Kunst und Design des
20. und 21. Jahrhunderts. Schon von weitem erspähten die Kursteilnehmerinnen dort unter den ausgestellten Objekten sofort zwei Werke von Stefan Diez, die dann natürlich ebenfalls in die Besprechung mit aufgenommen wurden.
Eine besondere Freude ist es für die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfaches und Kursleiterin Judith Treimer-Schebler, dass im Anschluss an die Studiobesichtigung auch ein Besuch von Stefan Diez am Camerloher-Gymnasium im Rahmen einer Kunststunde des Leistungsfaches geplant ist.
Judith Treimer-Schebler