Das Camerett, das älteste Schülerkabarett Deutschlands, brachte an drei Abenden in der letzten Juniwoche das bis auf den letzten Platz besetzte Kellertheater vor Lachen zum Beben. Zahlreiche satirische Nummern mit scharfsinnigem Humor nahmen die Künstliche Intelligenz, den Schulalltag, die Schüler*innen und ihre Lehrer*innen aufs Korn.
Eines des nur aus Highlights bestehenden Abends war die Suche nach dem Freisinger Traumgymnasium, die zum Albtraum wurde: Dom-Schüler*innen, die sich ausschließlich in einer Melange aus mehreren Fremdsprachen unterhielten, Camerloher-Schüler*innen, die sich singend stritten und JoHo-Schüler*innen, die in naturwissenschaftlichen Formeln kommunizierten, ließen für die Protagonistin nur einen Schluss zu: "Ich gehe auf die Realschule!" Auch für zahlreiche Lacher sorgten der in Zeitlupe inszenierte Kampf der Lehrer*innen um den Platz am Kopierer sowie "Der Spicker" - ein Revival der bereits in den 1960er Jahren aufgeführten Nummer "Die Spickerin", die noch auf einer Handvoll Langspielplatten nachzuhören ist. Der Lehrerzimmer-Hilfs-Assistent agierte so erfolgreich im Abwimmeln und Zermürben von Schüler*innen, die versuchten, eine Lehrkraft aus dem Lehrerzimmer vor die Türe zu bekommen, dass er einseitig von den Lehrer*innen heiß ersehnt wird. Die in Lehrerrobotern personifizierte und während des Kabarettabends immer wieder auftauchende KI hingegen konnte nur humoristisch überzeugen, waren die nicht-menschlichen Lehrkörper doch allesamt defekt und mussten immer wieder vom zunehmend genervten Hausmeister auf der Sackkarre abtransportiert werden. Eine weitere durchgehende Qual der Schüler*innen, aber eine ganz analoge: das Rezitieren des Gedichts "Der Panther" von Rainer Maria Rilke. Die Nummer zeigte dabei die unterschiedlichen Hürden von der ersten Klasse bis zur gymnasialen Oberstufe. In der Grundschule scheitert das Vorlesen am Lesen selbst, in der Pubertät dann daran, dass Schüler*innen scheinbar anlasslos in Gelächter ausbrechen. Untermalt und begleitet wurde der dem Kabarett gewidmete Abend von Anna Brennich am Klavier.
Ausnahmslos alle Nummern wurden brillant vorgetragen bzw. gespielt, die Pointen wurden treffsicher versenkt. Zudem war die Satire durchweg so gestaltet, dass niemandem das Lachen im Halse stecken blieb! Ein rundum gelungener Abend, der dem einen oder anderen beim wehmütigen Abisong (eine Umdichtung von "American Pie"), mit dem sich die am Camerett beteiligten Abiturient*innen aus dem Schülerkabarett verabschiedeten, ein Tränchen in die Augen trieb.
Ein ganz herzliches Dankeschön an die Jungkabarettistinnen und Jungkabarettisten sowie an die Leiterin Antje Hagn für die äußerst kurzweilige und humorvolle Sommernacht!