Professor Ludwig Zehetner, die ausgewiesene Koryphäe auf dem Gebiet der bairischen Dialektologie schlechthin, referierte bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr im Café Cameroher. Anlässlich des 500-jährigen Bestehens des bayerischen Reinheitsgebotes informierte Prof. Zehetner am vergangenen Donnerstagabend (27.10.2016) die zahlreichen Zuhörer im Café Camerloher in gewohnt unterhaltsamer und kurzweiliger Art über das „flüssige Brot der Bayern“, das Bier.

Eigentlich müsse man Prof. Ludwig Zehetner in Freising gar nicht eigens vorstellen, meinte ein Lehrer des Camerloher-Gymnasiums und ehemaliger Schüler von Prof. Zehetner bei der Begrüßung. Zehetner ist ein gebürtiger Freisinger, in der Domstadt aufgewachsen und hat hier auch Abitur gemacht. Weil es ihm im Frühjahr bei seiner ersten Café-Camerloher-Veranstaltung so gut gefallen habe, sei er sehr gerne wieder gekommen, so der Sprachwissenschaftler.

Es bereitete den vielen Zuhörern im Café Camerloher wieder sehr viel Freude zuzuhören, wenn Prof. Zehetner über die Geschichte des Biers referierte, über das Brauwesen und dann vor allem über die Folgen eines exzessiven Bierkonsums. So erfuhren die Zuhörer, dass beispielsweise Weihenstephan nicht die älteste Brauerei der Welt ist, dass Hopfen in der Nähe von Freising schon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts angebaut worden ist und dass in Bayern das Bier schon immer eine hohe Affinität zu den Klöstern hatte.Das Bier sei in früherer Zeit in Bayern nicht sonderlich schmackhaft gewesen, so Zehetner und habe nur zum Durstlöschen nach der Arbeit gedient. Der berühmte bayerische Chronist Aventinus bezeichnete die Bayern nämlich als Weintrinker. Denn wenn die Bayern Genuss haben wollten, griffen sie zum Wein.

Als Spezialist des Bairischen lag Prof. Ludwig Zehetner vor allem auch am Herzen viele Dialektbegriffe zu erklären. Wo kommt der Begriff Mass her, also mit kurzem Vokal, im Unterschied zum Maß mit langem Vokal? Was ist ein „Pfief“? Zum Thema Weißbier wusste Zehetner, dass es „das Weisse“ heißen müssen und nicht „die Weisse“. „Deshalb gibt es nur zwei Brauereien, die das richtig machen“, so Prof. Zehetner. „Das ist die Brauerei in Au/Hallertau und das Huber Weisse des Hofbrauhauses Freising.“

Für sehr viele Lacher sorgte Prof. Zehetner, als er ausführlich die bairischen Begriffe der verschiedenen Stadien eines Rausches erläuterte: also beispielsweise einen „Aff“, einen „Fetzenrausch“, einen „Kanonenrausch“ oder die höchste Stufe einen „Saurausch“. So ein Mensch „trogd dann an Affn hoam“ hat „an Sure“, „is an bsuffas Wogschail“ oder „hot Pfozn voia Rausch“, wie Prof. Zehetner einige typische bairische Redewendungen zum Besten gab. Für ihn ist es schon sehr wichtig, dass das Bairische dadurch glänzt, dass es viele poetische Wortschöpfungen hervorgebracht hat und dass es sehr nuancenreich ist – siehe die zahlreichen Begriffe für Rausch.

Der 77-jährige Dialektpapst ist immer noch sehr aktiv, nicht nur durch seine Vorträge. Er ist gerade dabei den „kleinen Zehetner“ zu veröffentlichen, eine Kurzfassung seines bekanntesten Werkes „Bairisches Deutsch. Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern“. Vielleicht kommt seine Heimatstadt Freising in den Genuss, dass Prof. Zehetner seinen „kleinen Zehetner“ im Frühjahr nächsten Jahres im Café Camerloher präsentiert. Freising Zehetner-Fans würden sich freuen. sp